Der Labrador Retriever
ist von der FCI mit der Nr.122 als britische Hunderasse anerkannt und wird der Gruppe 8, Sektion 1 Apportierhunde zugeordnet.
Dieser ursprüngliche Einsatz als Apportierhund spiegelt sich in seinem Namensteil „Retriever“ wieder, auch wenn er in Deutschland häufig nur als Labrador bekannt ist und der Koseform „Labbi“.
Charakter & Verwendung
Verwendung
Apportierhund Jagdhund Arbeitshund Rettungshund Blindenführhund, Behindertenbegleithund, Therapiehund Familienhund AnfängerhundDie langjährige Selektion von Jagd-geeigneten Labradoren entstand ein Hund mit einer ausgezeichneten Nase und mit einem „weichen“ Maul, wodurch er Wild oder andere Gegenstände unbeschädigt apportieren kann. Auch sein Otterschwanz und das wasserabweisende Fell führen dazu, dass dieser Hund auch heute noch vielfach zur Jagd und zum Apportieren eingesetzt wird.Aufgrund seiner vielfältigen guten Eigenschaften wird er heutzutage auch als Blindenhund, Therapiehund und Besuchshund für Senioren und Menschen mit Behinderungen eingesetzt. In den USA, Australien und anderen Ländern stellt er die beliebteste Hunderasse für die Arbeitz als Behindertenbegleithund dar.
Auch findet er weltweit Einsatz bei Polizei und anderen Organisationen, welche ihre Such- und Arbeitsfähigkeiten nutzen, z.B. als Drogenspürhund oder Rettungshund.
Obwohl manche Labradore bei Geräuschen belle, und auch eine Art „Wachbellen“ haben, sind sie generell aufgrund ihres Wesens und Freundlichkeit gegenüber Fremden als Wach- oder Schutzhund ungeeignet.
Er gilt als geduldig, nervenstark und kinderlieber Hund, der sich daher als Familienhund eignet.Er soll gut mit kleinen Kindern zurecht kommen und für Menschen jeden Alters geeignet sein. Zu beachten ist dabei jedoch, dass auch der Familienhund beschäftigt werden muss und unterforderte Labrador Retriever tendieren dazu, unerwünschte Verhaltensweisen zu entwickeln.
Seine Energie, Lernfähigkeit und „will to please“ sollte man daher nutzen, z.B. bei Hundesportarten wie Agility, DogFrisbee oder Flyball, wobei DogFrisbee beispielsweise dem natürlichen Apportiervergnügens des Labradors entgegen kommt.
Wesen
Labrador Retriever haben einen sehr gutmütigen und freundlichen Charakter ohne jegliche Anzeichen von Aggressivität oder unangebrachter Scheu vor Menschen oder Unsicherheit, wenn fremde Menschen ihm zu nahe kommen.
Er gilt als neugierig, kontaktfreudig, sehr geduldig und ausgeglichen. Er zeigt im Allgemeinen auch eine Liebe zum Wasser und zum Apportieren.
Weiterhin ist er als intelligent mit einem „will to please“ bekannt; d.h. er hat ein großes Bedürfnis seinem Besitzer zu gefallen. Aufgrund dieser Eigenschaften ist der Labrador ein auch bei Anfängern sehr beliebter Hund.
Obwohl er eigentlich eine ruhige Art an sich hat, ist er trotzdem voller Energie und braucht intensive geistige und körperliche Auslastung durch entsprechende Beschäftigung mit dem Hund.
Ursprung & Geschichte
Die Ahnen des Labradors
(und des Neufundländers und des Landseers) gehen auf Hunde der kanadischen Ostküste im Bereich Neufundlands zurück.
Es wird vermutet, dass der „St. John's Hund", ein schwarzer Wasserhund mit dichtem Fell, der direkte Vorfahre dieser Rasse ist. Die genauere Herkunft (z.B. die des St. John’s Hund) ist nicht bekannt.
Im Unterschied zum größeren Neufundländer war die Aufgabe dieses kleineren und leichteren Hundes, Jagdbeute zu apportieren („to retrieve“) sowie abgetriebene Fischernetze aus dem Meer zu holen.
Nach England wurde er während des 19. Jahrhunderts von Fischern mitgebracht, wo besonders u. a. der erste und zweite Earl (Herzog) von Malmesbury (1778-1841) zur Weiterentwicklung des Hundes beitrugen.
Die beiden Hunde Avon („Buccleuch Avon") und Ned setzte der Earl von Malmesbury während der 1880er Jahre für das Zuchtprogramm ein und sie werden häufig als die Stammhunde der heutigen Labradore angesehen; die Bezeichnung „Labrador Retriever“ wurde zuerst 1870 benutzt. Bei der anfänglichen Zucht des Labradors wurde konsequent auf seine jagdliche Leistungsfähigkeit geachtet und zur Ausprägung des Jagdtriebes der English Pointer eingekreuzt.
1903 wurde die Rasse vom englischen Kennel Club anerkannt.
In den späteren Jahren entwickelten sich zwei Linien, die Showlinien mit kompakterer Statur, und die Arbeitslinien mit einem leichteren Erscheinungsbild. Der erste gelbe Labrador, der nicht als Fehlzüchtung betrachtet wurde, war nach Überlieferungen Ben of Hyde, 1899 in der Zucht des Major Charles Radclyffe geboren.
Da die Farbe nur rezessiv vererbt wird, wurde der gelbe Labrador erst später als Farbe neben schwarz anerkannt. Das frühe „Gelb“ war tatsächlich ein dunkles Karamell (in frühen Labrador-Fotos zu sehen) und war als „Gold“ bekannt; durch das 20. Jahrhunderts wurde jedoch ein blasseres gelb bis hin zu cremefarben bevorzugt und waren nun hauptsächlich zu finden.
Interesse für die dunkleren Goldtöne und fuchsrot lebte in den 1980er Jahren in England wieder etwas auf. Auch heute im Jahr 2010 ist das Fuchsrot wieder sehr beliebt.
( Siehe Leo und Dakota )
Der braune (oder auch chocolate bzw. schokoladenfarbene genannte) Labrador kam zwar immer wieder vor, wurde jedoch erst 1961 anerkannt. Im Welpenalter zeigt er ein helles, mattes Fell, welches ab etwa drei Monaten nach und nach gegen das dunkelbraune, glänzende Fell ausgewechselt wird. Heute ist der Labrador Retriever nicht nur in England die beliebteste und am meisten verbreitete Hunderasse, sondern gilt – entsprechend registrierter Besitzer – als beliebteste Rasse weltweit.
Gesundheitshinweise
Pflegehinweise
Als durchschnittliche Lebenserwartung wird für einen Labrador 10 bis 14 Jahre angegeben.
Die Rasse neigt dazu zweimal jährlich ihr Fell zu wechseln, wobei sie in gemäßigten Klimazonen wie bei uns das ganze Jahr hindurch haaren. Manche Labradore haaren sehr extrem, jedoch gibt es hierbei individuelle Unterschiede.Es ist bekannt, dass manche Labrador Retriever gerne auf Gegenständen herum kauen und manchmal sogar unverdauliches fressen. Dies sollte man schon Jungtieren abgewöhnen.Auch sind sie für ihren starken Appetit und entsprechendes Bettelverhalten bekannt, wobei der Halter jedoch darauf achten sollte, dass der Hund kein Übergewicht und damit verbundene Krankheiten bekommt. Übergewicht ist z.B. ein Risikofaktor für die Entwicklung von Hüftgelenksdysplasie und anderer Gelenkkrankheiten im späteren Leben, sowie Diabetes und genereller schlechterer Gesundheit im Alter. Arthrose gilt bei älteren Labrador Retrievern, besonders den übergewichtigen, als alltäglich.
Erbliche Krankheiten & Rassedisposition
Fibrinoide Leukodystrophie (Alexander's Disease): sehr selten auftretende, sich schnell verschlechternde Erkrankung des Rückenmarks die während des ersten Lebensjahres auftritt und Lähmungen und Bewegungsstörungen verursacht. Derzeit gilt sie als nicht behandelbar.
Axonopathie: entwickelt sich in den ersten Lebensmonaten und führt zur Degeneration der weißen Substanz. Sie beinhaltet weit ausladenden Bewegungen der Vorderbeine, breitbeiniger Stellung der Hinterbeine und mit Muskelzittern. Die Hund tendieren dazu umzufallen und können sich dann nicht mehr alleine aufrichten. Derzeit gilt sie als nicht behandelbar.
Hüftgelenksdysplasie (und Ellbogendysplasie): Wie bei anderen großen und schweren Hunderassen neigt der Labrador Retriever zur Hüftgelenksdysplasie (HD). Diese kann entweder erworben oder vererbt werden. Um letzteres auszuschließen, unterliegen alle Zuchthunde der dem VDH angeschlossenen Vereine einer strengen Kontrolle.
Patellaluxation: Die Patellaluxation ist ein vorkommendes Problem mit herausgesprungenen Kniescheiben.
Auch die Vererbung verschiedener Augenkrankheiten ist möglich:Progressive Retinaatrophie(PRA) Erblicher Katarakt (HC) Retinadysplasie (RD)
Zuchthunde imüssen regelmäßig auf PRA, erblichen HC und RD getestet werden.
Ein negativer Befund muss bei jedem Deckakt vorgelegt werden.
Wissenswertes & Trivia
Anschaffungshinweise
Labradors zeigen erst im Alter von rund drei Jahren ein erwachsenes Verhalten, vor dieser Zeit können sie ein hohes Maß an Welpenenergie zeigen, welche häufig fälschlicherweise als „Hyperaktivität“ bezeichnet wird.
Seine fröhliche Ungestümheit und das Fehlen von Angst kann eine richtige Ausbildung an der Hundeschule und konsequente Handhabung nötig machen, da ein außer Kontrolle geratener erwachsener Labrador zu großen Problemen führen kann.
Mit dem Leinentraining sollte möglichst früh begonnen werden, um ein ständies an-der-Leine-ziehen beim ausgewachsenen Hund zu verhindern.
Verwandte Rassen
Neufundländer
Die frühen Labradore enstammen der Insel Neufundland, heute Teil der Provinz Neufundland und Labrador in Kanada. Aus dem dortigen St. John's Dog entstanden zwei Rassen, der Labrador und der größere Hund, welcher als Zugtier eingesetzt wurde, entwickelte sich zum großen und sanfte Neufundländer (möglicherweise durch Einkreuzung von Mastiffs/Doggen durch portugiesische Fischer).
Designerhund „Labradoodle“
Um einen allergikerfreundlichen Blindenführhund aus Labrador und Pudel zu schaffen entstand der Mischling, der heute als Labradoodle bekannt ist, da angenommen wurde, vom Pudel würde die Eigenschaft nicht zu haaren vererbt werden. Bei so einer Verpaarung können allerdings auch die negativen Eigenschaften beider Elternteile hervortreten, was man bei der Anschaffung beachten sollte!